Donnerstag, 1. August 2013

Casper - Im Ascheregen

Dies ist kein Abschied,
denn ich war nie willkomm'
Mich würde es nicht wundern, wenn im Verlaufe der nächsten paar Stunden die Infrastruktur von Vimeo zusammenbricht. Oder Twitter überfordert ist, mit all den Meinungen. Und die Bildbearbeitungsprogramme der meisten Mädchen in der Zielgruppe zwischen 13 und 18 werden wahrscheinlich auch heißlaufen, schließlich muss man Textstellen auf Frames des Videos draufklatschen und sich selbst neben Ben Griffey mit Tanktop im Schlamm photoshoppen. Doch mal ganz ohne den Hype - was ist eigentlich grade passiert?
"Im Ascheregen" ist passiert. Casper - Ben Griffey - hat vor wenigen Wochen sein neues Album angekündigt, und heute um Punkt 13 Uhr konnte man sich schließlich das Musikvideo zu besagtem Song auf casperxo.com ansehen. Knapp über fünf Minuten streckt sich das Video, und das Motiv des Artworks findet sich darin auch wieder. Nun wurde der Afroamerikaner in weißer Robe, der in einem Sumpf eine Frau in ebenfalls weißer Robe in den Armen hält (ja, genau das) bisher von der Netzgemeinde eher negativ aufgenommen. Zugegeben, sonderlich ästhetisch sieht das erstmal nicht aus, doch wie Casper bereits sagte: "Wenn man sich das am Ende anschaut, wird man sehen, dass es alles Sinn ergibt. Das Album klingt wie es aussieht."
Und es ergibt Sinn. Auf eine verquere Weise zwar, aber es entsteht doch ein kohärentes Bild, wenn man sich das Video ansieht. Beginnend mit den Naturaufnahmen und Casper, der in einem Wald rumhüpft, über den Trupp aus weißen Frauen und schwarzen Männern, bis zum pianobesetzten Beat, der genauso naturbezogen klingt wie das Video aussieht, hängt alles irgendwie zusammen. Der Text, der davon handelt, sein altes Leben zurückzulassen (Auf und davon, ha!), eine metaphorische Stadt zu verbrennen.
Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin
Augen und Herzen sind Dynamit (hey hey hey)
Casper ist, ob man es nun will oder nicht, die Stimme dieser Generation. Keine Frage, das lockt auch einige Idioten an. Seit 'Xoxo' sind Depressionen nicht tragbar, stehen uns aber so gut. Gut, das ist vollkommen lächerlich und die wenigsten, die sich darin wiederfinden, finden sich wirklich darin wieder, aber man kann Casper hier nicht absprechen, dass er einen Nerv getroffen hat. Und mit seinem neuen Album wird er das wieder tun. Das Motiv des Albums - "back to the roots", raus aus der Zivilisation, rein in die Natur - ist etwas, das uns alle anspricht.
Mit "Im Ascheregen" singt Casper eine Hymne an ein Leben außerhalb der Grenzen der Gesellschaft. Das spricht natürlich tausende pubertierender Mädchen an, aber es kann auch viel mehr sein. Lasst uns daraus doch einfach viel mehr machen.